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Owen Zidar ist Professor für Volkswirtschaftslehre und öffentliche Angelegenheiten an der Princeton University.
Eric Zwick ist Joel-F.-Gemunder-Professor für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft an der Booth School of Business der University of Chicago.
Im dieswöchigen Gespräch diskutieren Yascha Mounk, Owen Zidar und Eric Zwick darüber, warum sich der amerikanische Reichtum in Wirklichkeit vor allem bei den Eigentümern kleiner Unternehmen und nicht bei Tech-Milliardären konzentriert und ob die Gründung eines eigenen Unternehmens nach wie vor ein gangbarer Weg zum sozialen Aufstieg ist.
Das Transkript wurde gekürzt und zur besseren Verständlichkeit leicht bearbeitet.
Yascha Mounk: Wenn wir über die Reichen in Amerika sprechen, denken wir an Elon Musk, heutzutage vielleicht auch an Sam Altman, an Mark Zuckerberg und möglicherweise an die Familie Walton und so weiter. Aber Sie argumentieren, dass dort gar nicht der eigentliche Reichtum Amerikas liegt. Wie ist das zu verstehen?
Eric Zwick: Wir beginnen unser Buch mit einer äußerst glamourösen Hochzeit. Einer Hochzeit, die 60 Millionen Dollar gekostet hat und für die der Vater beziehungsweise die Eltern der Braut sämtliche Gäste mit Privatjets nach Paris einfliegen ließen. Sie mieteten das Schloss Versailles und ließen Adam Levine den ersten Tanz musikalisch begleiten. Die Feier wurde als Hochzeit des Jahrhunderts bezeichnet und war, zumindest nach Schätzungen in den sozialen Medien, sogar teurer als die jüngste Hochzeit von Jeff Bezos und Lauren Sánchez.
Man könnte also vermuten, dass der Weg zu diesem Reichtum, der es ihnen ermöglichte, eine solche Hochzeit auszurichten, über das Silicon Valley oder die Wall Street führte, also über die Technologie- oder Finanzbranche. Denn das ist wohl der typische Weg zum Wohlstand, den die Menschen vor Augen haben, wenn man sie fragt, wer in Amerika wirklich reich ist. Tatsächlich stammte das Vermögen aber aus einem Autohaus, das bereits in der dritten Generation geführt wird. Die Geschichte unseres Buches ist gewissermaßen eine größere Version dieser Geschichte im Kleinen: Es gibt einen gewaltigen Reichtum, der sehr viel weiter verbreitet ist, als es die Geschichten über die Forbes 400 aus der Technologie- und Finanzbranche vermuten lassen, von denen wir so häufig hören. Und für viele Amerikaner liegt dieser Reichtum auch viel näher an ihrer eigenen Lebenswelt, als sie denken. Das sind die Millionäre von nebenan, über die wir in unserem Buch schreiben und sprechen.
Mounk: Nennen Sie uns dazu ein paar Zahlen. In Ihrem Buch betrachten Sie Menschen mit einem Nettovermögen von mehr als etwa fünf Millionen Dollar. Wie viele davon gibt es in den Vereinigten Staaten? Und wenn man ihr gesamtes Vermögen zusammenrechnet, wie verhält es sich dann zum Vermögen der Forbes 400, also der Forbes-Liste der reichsten Milliardäre und Billionäre?
Owen Zidar: In den Vereinigten Staaten gibt es drei Millionen solcher Millionäre von nebenan. Das sind Eigentümer nicht börsennotierter Unternehmen, die über ein Nettovermögen von mindestens fünf Millionen Dollar verfügen. Wenn man ihr gesamtes Nettovermögen zusammenrechnet, ist es dreizehnmal so groß wie das Gesamtvermögen der 400 reichsten Menschen. Das gilt für das jüngste Jahr, für das uns entsprechende Daten vorliegen, also 2022.
Mounk: Helfen Sie mir, das zu verstehen. Sie sprechen von Unternehmern, die mehr als fünf Millionen Dollar besitzen. Aber was ist mit einer ganz anderen Gruppe von Menschen, etwa Partnern in Anwaltskanzleien oder an der Wall Street? Mir ist da etwas besonders in Erinnerung geblieben. Sie sind Politikwissenschaftler, und ich bin zu meinem Leidwesen ebenfalls Politikwissenschaftler. Irgendwann habe ich versucht, diesem Beruf zu entkommen, und ein Praktikum bei McKinsey gemacht, wovon ich damals natürlich niemandem erzählt habe. Das Projekt, an dem ich in jenem Sommer zeitweise arbeitete, betraf ein ziemlich miserables Softwareunternehmen, das im Grunde auf dem absteigenden Ast war. Aber der erfolgreichste Verkäufer verdiente dort jedes Jahr mehr als eine Million Dollar an Provisionen. Das war nicht Google. Es war kein Softwareunternehmen, von dem Sie je gehört hätten. Es war auch kein florierendes Softwareunternehmen. Und trotzdem verdiente der beste Verkäufer eine Million Dollar im Jahr. Ich nehme also an, dass Sie solche Menschen aus Ihrer Statistik ausschließen? Welche Rolle spielen sie?
Zwick: Wenn man sich die Vermögensdaten anschaut und fragt, wie viele Menschen ein Nettovermögen von mehr als fünf Millionen Dollar haben, lässt sich das anhand des Survey of Consumer Finances recht gut schätzen. Es gibt ungefähr fünf Millionen Haushalte, die diese Schwelle erreichen. Davon sind drei Millionen Eigentümer nicht börsennotierter Unternehmen, also die Mehrheit. Wenn man die Vermögensschwelle weiter anhebt, von fünf auf 25 Millionen Dollar, verschwinden die gut verdienenden Berufstätigen, die beträchtliche Ersparnisse angesammelt haben, aber möglicherweise keine Unternehmensanteile besitzen, zunehmend aus der Statistik. Je weiter man auf der Vermögensskala nach oben geht, desto wichtiger wird also der Besitz eines eigenen Unternehmens. Bei 25 Millionen, 50 Millionen oder 100 Millionen Dollar gelangt man schließlich an einen Punkt, an dem praktisch alle ein eigenes Unternehmen besitzen.
Es gibt eine Kategorie von Unternehmern, die wir als Eigentümer spezialisierter Dienstleistungsunternehmen bezeichnen. Dazu würde auch Ihr Partner in einer Anwaltskanzlei gehören. Diese Gruppe ist ein wichtiger Teil der Geschichte vom Aufstieg der Millionäre von nebenan: Unternehmen, die spezialisierte Dienstleistungen anbieten und deren Eigentümer am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt sind. Wenn es sich um eine kleine, spezialisierte Anwaltskanzlei handelt, ist daran vielleicht etwas stärker Unternehmerisches als an einer Partnerschaft bei Kirkland & Ellis. Man kann also durchaus differenziert darüber diskutieren, wie das Verhalten dieser Menschen einzuordnen ist. Das ist auch für einige unserer anderen Argumente im Buch relevant, etwa für die Frage, ob Arbeitseinkommen oder Kapitaleinkommen die zunehmende Einkommensungleichheit antreiben. Für bestimmte Aspekte dieser Diskussion ist es jedenfalls wichtig, zwischen diesen Gruppen zu unterscheiden.
Mounk: Erzählen Sie uns etwas mehr darüber, womit diese Menschen ihr Geld verdienen und wie sie es verdienen. Ihr erstes Beispiel ist ein Autohaus, das über mehrere Generationen weitergegeben wurde. In gewisser Weise könnte man sagen, dass es sich dabei um ererbten Reichtum handelt. Vermutlich ist das Autohaus über die Generationen hinweg weiter gewachsen, und um sich eine derart teure Hochzeit leisten zu können, muss derjenige, der es heute führt, seine Sache ziemlich gut machen. Welcher Anteil dieser Unternehmen wurde erst vor relativ kurzer Zeit gegründet? Und handelt es sich bei diesen Menschen überwiegend um Absolventen renommierter Universitäten der Ivy League? Sind es Menschen, die an einem örtlichen Community College Marketing studiert haben? Oder sind es Menschen aus der Arbeiterklasse, die zunächst als Klempner gearbeitet und dann beschlossen haben, ein Risiko einzugehen und einen eigenen Installationsbetrieb zu gründen? Wie setzt sich diese Gruppe zusammen, und inwiefern bestätigt oder verkompliziert das unser Bild davon, welche Menschen es im heutigen Amerika zu einem derart bemerkenswerten Reichtum bringen?
Zidar: Das ist eine sehr gute Frage. Was Erbschaften angeht, schätzen wir, dass etwa ein Viertel der Menschen in dieser Gruppe ihr Unternehmen geerbt hat. Der typische Vertreter hat sein Unternehmen also entweder selbst gegründet oder gekauft. Und es handelt sich um eine sehr vielfältige Gruppe. Ihr Beispiel eines Klempners, der zehn Jahre lang als Angestellter arbeitet und anschließend einen eigenen Installationsbetrieb führt, ist wesentlich verbreiteter. Es gibt viele ganz gewöhnliche Unternehmen. Da ist etwa jemand, der als Mitarbeiter eines Abschleppdienstes begann, der Fahrzeuge im Auftrag von Gläubigern sicherstellt, und später eines der größten Unternehmen dieser Branche im ganzen Land leitete. Es gibt einige ziemlich große Branchen, etwa Autohändler, Getränkegroßhändler, Immobilienmakler und Bauunternehmen. In Phoenix gab es einen Mann, der sein Unternehmen für die Wartung und Reparatur von Garagentoren für zwei Milliarden Dollar verkaufte. Es kann sich also um ganz alltägliche Tätigkeiten handeln. Nicht alle haben studiert, und erst recht nicht alle haben einen weiterführenden akademischen Abschluss. Ich glaube, der typische Vertreter hat studiert und einen Hochschulabschluss, aber häufig nicht von einer besonders renommierten Universität, schon weil deren Absolventen nur einen kleinen Teil der Bevölkerung ausmachen. Die meisten haben auch keinen MBA oder einen anderen weiterführenden Abschluss. Bei den spezialisierten Dienstleistern hingegen, also den Anwälten und ähnlichen Berufsgruppen, ist das anders. Diese Untergruppe verfügt durchaus über höhere akademische Abschlüsse.
Mounk: Wie sollten wir das einordnen? Eine mögliche Reaktion wäre doch: Amerika ist großartig, oder? Es ist ein Land mit enormen Möglichkeiten. Obwohl wir viel über die Schattenseiten einer Meritokratie sprechen und darüber, dass man es nach Harvard schaffen muss, um Zugang zu den angesehensten Institutionen des Landes zu bekommen – was für bestimmte Institutionen und bestimmte berufliche Ambitionen durchaus zutrifft –, gibt es hier Millionen von Menschen, die als Klempner anfangen, Garagentore reparieren oder ein wenig Geld sparen, es in irgendein Unternehmen investieren und dieses besonders gut führen. Und sie schaffen es, reicher zu werden als 99,99 Prozent aller Menschen, die jemals gelebt haben. Was sollte man daran nicht großartig finden? Und hoffentlich leisten einige dieser Unternehmen tatsächlich gute Arbeit, oder?
Andererseits könnte man meinen, dass eine derartige Vermögenskonzentration negative gesellschaftliche Folgen haben kann, selbst wenn der Reichtum nicht bei den Forbes 400, sondern bei den Millionären von nebenan liegt. Vielleicht verdienen manche ihr Geld dadurch, dass sie ihre Beziehungen zu staatlichen Stellen ausnutzen und anderen Menschen wirtschaftliche Chancen verwehren. Wie fällt also Ihre Bewertung aus? Zwei Hochrufe, ein Hochruf, fünfzig zu fünfzig, ist das Glas halb voll oder halb leer? Wie sollten wir darüber denken?
Zwick: Als wir unser Buch vor einiger Zeit erstmals vorstellten, sagte uns jemand, wir lebten in einer einzigartigen historischen Phase, in der es bereits provokant sei, optimistisch zu sein.
Mounk: Nichts hassen die Menschen mehr als Optimismus. Das provoziert sie bis ins Mark.
Zwick: Erstaunlich, oder? Wir machen uns darüber auch ein wenig lustig, denn wir wollen uns vor dem optimistischen Teil dieser Geschichte keineswegs drücken. Ein Teil davon betrifft den amerikanischen Traum. Definieren wir ihn einmal so: Menschen, deren Eltern zum untersten Einkommensfünftel gehören und die selbst bis ins oberste Einkommensfünftel aufsteigen, die also einen solchen wirtschaftlichen Aufstieg schaffen. Diesen Weg über eine Universität der Ivy League zu gehen, ist ein äußerst seltenes Ergebnis. Es gibt einfach nur sehr wenige Menschen, denen das gelingt. Und im Vergleich zur allgemeinen Wahrscheinlichkeit, den amerikanischen Traum zu verwirklichen, erhöht dieser Weg die Aufstiegschancen auch nicht in besonders großem Maße.
Wenn man dagegen die Gründung eines Unternehmens oder eine unternehmerische Tätigkeit betrachtet, ist dieser Weg fast um eine Größenordnung häufiger, weil er wesentlich mehr Menschen offensteht. Und er scheint die Aufstiegschancen tatsächlich erheblich zu erhöhen: Unter den Menschen, die es nach ganz oben geschafft haben, ist der Anteil derjenigen, die unternehmerisch tätig waren, deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung. Diese Art der Risikobereitschaft, also mit relativ wenig anzufangen und nicht unbedingt den klassischen Weg über formale Bildungsabschlüsse und den Arbeitsmarkt zu gehen, bei dem man im SAT-Aufnahmetest die Höchstpunktzahl von 1600 erreicht, scheint ein ziemlich wichtiger Weg zum sozialen Aufstieg zu sein. Und das sollten wir feiern, wenn Menschen diesen Aufstieg schaffen, ohne dabei der Gesellschaft zu schaden. Allerdings sollten wir auch fragen, auf welche Weise sie genau dorthin gelangt sind. Denn an dieser Stelle wird die Geschichte noch etwas differenzierter.
In bestimmten Branchen werden die Menschen an der Spitze sehr reich, indem sie zunächst selbst erfolgreich sind, anschließend aber Markteintritts- oder Wettbewerbshürden errichten, um ihre Position abzusichern. Dadurch erlangen sie eine gewisse lokale Monopolmacht. Zu den Branchen, die wir in unserem Buch näher untersuchen, gehören beispielsweise die bereits erwähnten Autohändler und Biergroßhändler. Wir sprechen auch über Ärzte und Zahnärzte sowie über die Berufsverbände, die versuchen, die Tätigkeiten von Pflegefachkräften mit erweiterten Befugnissen und Dentalhygienikern einzuschränken. Dadurch wird der Zugang zu diesen Dienstleistungen erschwert und sie werden teurer. Anschließend beschäftigen wir uns mit der Steuerpolitik. Dort finden wir im gesamten Steuerrecht die Spuren dieser „Millionäre von nebenan“, und zwar in einer Weise, die wir für kontraproduktiv halten und die erhebliche Auswirkungen auf die öffentlichen Finanzen hat. Der Optimismus geht also in eine realistischere Betrachtung über und macht Probleme sichtbar, die die Menschen meiner Meinung nach durchaus zu lösen versuchen, deren Ursachen sie aber vielleicht nicht so gut verstehen, wie sie sollten.
Mounk: Eine meiner stolzesten Errungenschaften ist, dass mich der Präsident der American Optometric Association in einer öffentlichen Pressemitteilung oder einem offenen Brief oder etwas Ähnlichem angeprangert hat, weil ich gesagt hatte, dass man für Kontaktlinsen kein ärztliches Rezept benötigen sollte, wie es in den meisten europäischen Ländern ja auch nicht der Fall ist. Ich glaube, einige dieser Millionäre von nebenan sahen darin eine Bedrohung für ihre Fähigkeit, ihren Kindern prunkvolle Hochzeiten auszurichten, und haben sich deshalb ziemlich aufgeregt.
Aber Ihr Buch ist nicht nur für interessierte Laien sehr spannend, sondern auch eine wissenschaftliche Arbeit. Erzählen Sie mir etwas mehr über die Zahlen. Wenn ich an diese Gruppe von Menschen denke, die über ein Nettovermögen von mehr als fünf Millionen Dollar verfügen und von denen die meisten Unternehmer sind: Wie viele von ihnen wurden mit einem goldenen Löffel im Mund geboren? Wie viele haben sich tatsächlich aus den unteren Gesellschaftsschichten nach oben gearbeitet? Und wie viele gehören zu der großen Gruppe dazwischen?
Zidar: Es gibt unterschiedliche Wege, auf denen diese Menschen zu ihrem Vermögen gekommen sind. Da sind diejenigen, die ein Unternehmen gegründet haben, und diejenigen, die eines geerbt haben. Die Unternehmensgründer lassen sich leichter nachverfolgen. Unserem Buch liegt der bislang umfassendste Datensatz zugrunde, der über Unternehmertum in Amerika im 21. Jahrhundert zusammengestellt wurde. Er umfasst zehn Millionen Unternehmer, und bei vielen von ihnen können wir nachvollziehen, aus welchen Verhältnissen sie stammen, um Ihre Frage zu beantworten. Der typische Unternehmer stammt nicht aus einer reichen Familie. Häufig kommen diese Menschen aus armen Familien oder der Mittelschicht. Das bedeutet allerdings nicht, dass Kinder aus wohlhabenden Familien bei der Unternehmensgründung nicht zahlreiche Vorteile hätten. Sie gründen wesentlich häufiger erfolgreiche Unternehmen. Entscheidend ist aber, dass es sehr viel mehr Kinder aus der Mittelschicht und aus armen Familien gibt. Deshalb bringen diese Bevölkerungsgruppen in absoluten Zahlen mehr erfolgreiche Unternehmer hervor, obwohl die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Gründung für den Einzelnen geringer ist als bei Kindern aus reichen Familien.
Mounk: Um das für unsere Zuhörer anschaulich zu machen: Stellen wir uns vor, dass definitionsgemäß zehn Prozent der Menschen zu den obersten zehn Prozent gehören. Nehmen wir an, sie haben eine doppelt so hohe Chance wie der Durchschnitt, ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen. Das ist ein unfairer Vorteil, oder? Man könnte darin eine Verschwendung von Talent und Potenzial sehen. Wir würden uns wünschen, dass alle die gleichen Chancen hätten, ein Unternehmen zu gründen. Aber selbst unter diesen Bedingungen würden nur 20 Prozent der erfolgreichen Unternehmen von Menschen aus den obersten zehn Prozent gegründet. Sie stellen also keineswegs die Mehrheit der erfolgreichen Unternehmensgründer, obwohl ihre Erfolgschancen überproportional hoch sind und sie davon profitieren, in wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsen zu sein.
Zwick: Dazu kann ich einige konkrete Zahlen nennen. Wir schätzen, dass diese obersten zehn Prozent etwa ein Drittel der besonders erfolgreichen Unternehmer hervorbringen. Als solche definieren wir Gründer, deren Unternehmen nach einigen Jahren zu den erfolgreichsten zehn Prozent gehören. Das ist ein guter Indikator dafür, wo ein Unternehmen ein Jahrzehnt später stehen wird, und damit ein geeignetes Maß für außergewöhnlichen unternehmerischen Erfolg. Zur Mittelschicht zählen wir Menschen, deren Eltern beim Einkommen zwischen dem 33. und dem 90. Perzentil liegen. Ich weiß nicht, welche Definition der Mittelschicht Sie bevorzugen, aber ich halte diese für einigermaßen vertretbar. Aus dieser Gruppe, die ungefähr 60 Prozent der Bevölkerung ausmacht, stammt etwa die Hälfte oder sogar etwas mehr als die Hälfte dieser besonders erfolgreichen Gründer.
Das vermittelt einen Eindruck davon, wie ungleich die Chancen verteilt sind. Menschen aus den obersten zehn Prozent haben im Vergleich zu Menschen aus dem untersten Drittel eine etwa sechsmal so hohe Wahrscheinlichkeit, zu besonders erfolgreichen Unternehmensgründern zu werden. Es gibt also erhebliche Ungleichheiten bei den Erfolgschancen. Das deutet darauf hin, dass wohlhabende Familien ihren Kindern etwas mitgeben. Sind es finanzielle Mittel? Sind es berufliche Netzwerke? Ist es die Bildung? Mit solchen Fragen beschäftigen wir uns in unserem Buch, denn Kinder aus reichen Familien gründen wesentlich häufiger erfolgreiche Unternehmen, als man es angesichts der mutmaßlichen Verteilung von Talent in der Bevölkerung erwarten würde.
Mounk: Und wie sieht es mit der mittleren Gruppe im Vergleich zur untersten aus? Das stereotype Bild des amerikanischen Traums aus dem vergangenen Jahrhundert – ich wollte gerade sagen, aus dem letzten Jahrhundert, aber vielleicht ist es inzwischen schon das vorletzte – besteht doch darin, dass man als Tellerwäscher in einem Restaurant anfängt und zum Millionär aufsteigt. Haben Menschen, die im untersten Drittel geboren werden, praktisch keine Chance, in diese Gruppe aufzusteigen, oder schneiden sie tatsächlich auch recht gut ab?
Zwick: Etwas weniger als 20 Prozent der besonders erfolgreichen Gründer stammen aus diesem untersten Drittel. Aber das sind immer noch ziemlich viele Menschen.
Mounk: Nun, vermutlich werden insgesamt natürlich weit weniger als 20 Prozent aller Menschen zu besonders erfolgreichen Unternehmensgründern. Aber ich nehme an, Sie meinen 20 Prozent aller besonders erfolgreichen Gründer.
Das ist viel weniger deprimierend, als man vielleicht denken würde. Denn wenn das unterste Drittel der Einkommensverteilung 20 Prozent der besonders erfolgreichen Gründer hervorbringt, liegt seine Erfolgsquote immerhin bei mehr als der Hälfte der Erfolgsquote der Gesamtbevölkerung.
Bei den Daten von Raj Chetty geht es mir manchmal ähnlich. Natürlich beeinflusst die soziale Herkunft der Eltern auch die soziale Stellung ihrer Kinder. Bei manchen seiner Statistiken denke ich: Ja, das sieht wirklich schlecht aus. Und bei anderen denke ich: Das sieht eigentlich ziemlich gut aus. Das ist besser, als ich erwartet hätte. Natürlich würden wir uns vollständige Chancengleichheit wünschen und so weiter. Ich behaupte also nicht, dass diese Zahlen aus normativer Sicht großartig sind. Aber ich würde wetten, dass meine sehr klugen Studenten, wenn ich ihnen eine Multiple-Choice-Frage stellen würde, etwa: Was glauben Sie, wie viel Prozent der besonders erfolgreichen Unternehmensgründer stammen aus Familien, die zum untersten Drittel der Einkommensverteilung gehören: 50, 20, zehn, fünf oder ein Prozent?, eine Antwort unter 20 Prozent wählen würden.
Zidar: Da stimme ich Ihnen zu. Einer der schönen Aspekte unseres Buches ist, dass wir mit einigen dieser Menschen sprechen konnten und ihre Geschichten erzählen. Einer davon ist Dick Portillo, der in einer Sozialwohnungssiedlung in Chicago aufwuchs, nie studierte und schließlich ein Unternehmen, das Hotdogs verkaufte, für eine Milliarde Dollar veräußerte. Ein anderer ist Saad Khan, dessen Geschichte fast genau dem entspricht, was Sie beschrieben haben. Er ist Einwanderer, arbeitete als Tellerwäscher und hatte 500 Dollar in der Tasche, als er in die Vereinigten Staaten kam, um an der University of Illinois Urbana-Champaign zu studieren. Später arbeitete er bei einem Unternehmen, das Autostoßstangen herstellte, und wurde schließlich selbst Eigentümer eines solchen Unternehmens. Toyota gehörte zu seinen ersten Kunden, was seinem Geschäft enorm half. Am Ende kaufte er die Jacksonville Jaguars.
Mounk: Nachdem wir nun über die soziale Herkunft dieser verschiedenen Gruppen gesprochen haben: Was machen diese Menschen mit ihrem Geld? Wir haben über prunkvolle Hochzeiten und Ähnliches gesprochen, aber welche gesellschaftlichen Auswirkungen hat es tatsächlich, dass es diese sehr große Gruppe äußerst wohlhabender Menschen gibt? Auch hier könnte ich mir eine positive Geschichte vorstellen. Diese Menschen werden vielleicht Sponsoren einer örtlichen Jugendbaseballmannschaft, engagieren sich für das Gemeinwohl und in ihren Gemeinden. Sie werden zu tragenden Säulen des gesellschaftlichen Lebens und tragen dazu bei, dass auch kleinere Städte, in denen weder die Wall Street noch die Hollywoodstudios noch Anthropic oder OpenAI angesiedelt sind, ihren Bewohnern eine gute Infrastruktur und ein funktionierendes Gemeinwesen bieten können.
Andererseits könnte man sich auch eine sehr negative Geschichte vorstellen. Diese Menschen nutzen ihr Geld zunächst einmal, um ihre wirtschaftlichen Interessen abzusichern und dafür zu sorgen, dass niemand Kontaktlinsen bekommt, der nicht innerhalb der vergangenen zwei Jahre beim Augenarzt war. Darüber hinaus könnten sie versuchen, ihren eigenen Kindern wiederum Vorteile zu verschaffen. Ich sehe eine interessante Verbindung zwischen Ihrem Buch und einem Buch von Richard Reeves mit dem Titel Dream Hoarders. Es gibt sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede in der Schwerpunktsetzung. Richard Reeves betrachtet eine etwas breitere Gruppe, nämlich die obersten 20 Prozent der Gesellschaft, und sagt: Ja, wenn man Mark Zuckerberg ist, kann man seinen Kindern wahrscheinlich einen Studienplatz in Harvard erkaufen, und das ist unfair. Aber wenn man sich anschaut, warum die Studenten in Harvard im Durchschnitt aus so wohlhabenden Verhältnissen stammen, liegt das nicht an Mark Zuckerberg. Es gibt gar nicht so viele Milliardäre, und sie beanspruchen auch nicht so viele Studienplätze.
Es sind vielmehr Menschen, die in besonders wohlhabenden Postleitzahlgebieten rund um Manhattan oder Washington, D.C., aufwachsen, deren Eltern relativ gewöhnlichen Berufen nachgehen, gut verdienen, ihre Kinder auf sehr gute Schulen schicken und enorme Summen investieren, um ihnen diese Chancen zu eröffnen. Das ist die Hortung von Chancen, die die soziale Mobilität in der amerikanischen Gesellschaft tatsächlich stärker einschränkt, als es sonst der Fall wäre. Wie verhält sich Ihr Argument zu diesem Argument?
Zwick: Was Ihren letzten Punkt betrifft, legen unsere Ergebnisse meiner Meinung nach nahe, dass dieser klassische Aufstiegsweg über formale Bildungsabschlüsse und die Ivy League mit ihren äußerst knappen Studienplätzen an den Spitzenuniversitäten von den obersten 20 Prozent stark überbewertet wird, wenn sie darüber nachdenken, wie sie ihren Kindern zumindest wirtschaftlichen Wohlstand ermöglichen können. Ein solcher Studienplatz ist beinahe mehr ein Statussymbol als eine Garantie für wirtschaftlichen Erfolg. Diese Besessenheit ist wahrscheinlich sogar ein wenig kontraproduktiv. Sie führt jedenfalls zu allen möglichen merkwürdigen und problematischen Verhaltensweisen, wie wir sie beim Varsity-Blues-Skandal oder in einigen von Richard Reeves’ Beschreibungen dieser Bevölkerungsgruppe beobachten können.
Mounk: Ich weiß nicht, wie gut Sie das einschätzen können, vermutlich haben Sie dazu keine statistischen Daten. Aber manche Angehörige dieser Gruppe streben vielleicht auch nach gesellschaftlichem Aufstieg durch Bildung und denken sich: Wenn mein Kind nach Harvard geht, ist das auch für mich eine besondere Auszeichnung. Viele andere denken sich vielleicht: Nein, ich möchte, dass meine Kinder in unserem Bundesstaat bleiben und eine vernünftige Ausbildung bekommen. Sie sollen beispielsweise an einem nahe gelegenen Campus einer staatlichen Universität Betriebswirtschaft studieren oder etwas in der Art.
Zwick: Wir nennen sie die Millionäre von nebenan, weil man sie tatsächlich in den meisten Städten und Gemeinden des Landes findet, besonders abseits der Küstenregionen. Und an diesen Orten wird nicht in derselben Weise darauf Wert gelegt, dass die Kinder unbedingt an einer der wenigen Eliteuniversitäten studieren. Da heißt es nicht: Yale oder nichts. Ich glaube, das ist eine interessante Beobachtung, wenn man sich anschaut, welchen Weg diese Kinder später einschlagen. Die Eltern wünschen sich durchaus, dass ihre Kinder das Unternehmen übernehmen. Aber auch das ist eine Herausforderung, denn es ist schwierig, die eigenen Kinder für den Vertrieb von Müllfahrzeugen genauso zu begeistern, wie man es selbst einmal war. Die Kinder vieler dieser Millionäre von nebenan bleiben jedenfalls häufig näher an ihrem Heimatort. Das ergibt ein anderes Bild, mit dem viele Ihrer Zuhörer oder Menschen, die in den wirtschaftlichen Zentren an den Küsten leben, vielleicht weniger vertraut sind. Vielleicht können Sie noch etwas über das Konsumverhalten sagen, insbesondere bei der ersten Generation, und darüber, wie es sich im Laufe des Lebens verändert. Damit beschäftigen wir uns im Buch ja ausführlich.
Zidar: Es ist schwierig, systematisch zu erfassen, wofür diese Menschen ihr Geld ausgeben. Denn eine Besonderheit wohlhabender Menschen besteht darin, dass sie nicht an Umfragen teilnehmen. Deshalb haben wir Informationen aus Immobiliendaten, Daten über Privatjets und Superjachten und anderen Quellen zusammengetragen. Dabei fällt auf, dass geerbte Familienunternehmen, also Unternehmer der zweiten und dritten Generation, in den Daten über einen besonders luxuriösen Konsum, etwa Privatjets und Superjachten, deutlich häufiger auftauchen. Viele der Unternehmer der ersten Generation, mit denen wir gesprochen haben, krempeln anfangs dagegen die Ärmel hoch und arbeiten sehr hart. Sie investieren einen großen Teil ihres Geldes wieder in das Unternehmen. Erst wenn sie älter werden, sieht man, dass sie mehr konsumieren. Wie Eric bereits sagte, ist es also eine Frage des Lebensverlaufs, wann dieser Konsum stattfindet. Aber über mehrere Jahrzehnte hinweg sieht es keineswegs so aus, als würden diese Menschen ständig mit Privatjets durch die Gegend fliegen.
Mounk: Das ist interessant. Sie haben den Wunsch angesprochen, dass die Kinder das Unternehmen übernehmen. Dabei muss ich an eines meiner Lieblingsgeschäfte in den Vereinigten Staaten denken, Absolute Bagels in Morningside Heights in New York. Ich habe schon früher im Zusammenhang mit kultureller Aneignung darüber nachgedacht, weil es von jüdischen Flüchtlingen oder Einwanderern in die Vereinigten Staaten gegründet wurde und sich zu einem sehr beliebten Geschäft entwickelte. Ich nehme an, dass es auch finanziell ziemlich erfolgreich war. Ich weiß nicht, wie viel Geld man damit verdient, an einem Sonntagmorgen Unmengen von Bagels zu verkaufen, und ob die Eigentümer die Schwelle von fünf Millionen Dollar Nettovermögen erreicht haben oder nicht. Aber irgendwann beschlossen ihre Kinder, das Geschäft nicht übernehmen zu wollen, und wurden, glaube ich, Anwälte oder Ärzte. Vielleicht ist das allerdings auch nur ein Klischee, das ich mir selbst zusammengereimt habe. Stattdessen beschlossen die überwiegend thailändischen Angestellten dieses Bagelgeschäfts, die Eigentümer auszuzahlen und das Unternehmen zu übernehmen. Seitdem führen sie es selbst. Das ist also eine interessante Entwicklung.
Wünschen sich die Eigentümer dieser Unternehmen im Allgemeinen, dass ihre Kinder den Betrieb übernehmen? Und übernehmen die Kinder die Unternehmen dann auch tatsächlich? Oder sagen sie sich: Ich werde ohnehin eine ordentliche Summe von Mama und Papa erben, da muss ich nicht selbst ständig kontrollieren, ob meine Mitarbeiter die Garagentore richtig reparieren.
Zidar: Eric sagt gerne, Private Equity sei das Kind, das viele dieser Unternehmensgründer nie hatten. Denn wenn sie nicht wollen, dass ihre eigenen Kinder Garagentore kontrollieren müssen, können sie ihr Unternehmen an eine Private-Equity-Gesellschaft verkaufen. Ich glaube, die Sache ist ziemlich kompliziert, und wir untersuchen das auch in einem Teil unseres Buches. Bei Familienunternehmen kann es manchmal dazu kommen, dass Familien daran zerbrechen, wenn einige Angehörige das Unternehmen als ernsthaftes Geschäft betrachten, während andere es wie ein Bankkonto behandeln wollen. Das erzeugt enorme Spannungen, und manche Gründer möchten das vermeiden. Deshalb wollen sie nicht immer, dass das Unternehmen in Familienbesitz bleibt. Gleichzeitig haben Private-Equity-Gesellschaften, aber auch Absolventen führender Wirtschaftshochschulen, großes Interesse daran, profitable Unternehmen zu kaufen und deren Führung zu übernehmen, statt selbst etwas von Grund auf aufzubauen.
Mounk: Erzählen Sie uns etwas mehr über diesen Aspekt von Private Equity, denn ich glaube, dass sich hier in den vergangenen Jahren oder zumindest Jahrzehnten wirklich viel verändert hat. Wenn die meisten Zuhörer an Private Equity denken, stellen sie sich vermutlich milliardenschwere Übernahmen vor, bei denen ein Unternehmen, vielleicht sogar eine bekannte Marke, von einer Private-Equity-Gesellschaft aufgekauft und im schlimmsten Fall ausgeschlachtet wird. Dem Unternehmen werden hohe Schulden aufgebürdet, und irgendwie verdient die Private-Equity-Gesellschaft daran, während alle anderen leer ausgehen. Ich glaube, das ist häufig eine etwas ungerechte Karikatur. Aber es stimmt, dass Private-Equity-Transaktionen historisch betrachtet, wenn man dreißig oder vierzig Jahre zurückblickt, im Durchschnitt ziemlich groß waren. Worauf Sie nun anspielen, ist die Tatsache, dass Private-Equity-Gesellschaften zunehmend auch in vergleichsweise viel kleinere Unternehmen investieren. Zum Teil gibt es Gesellschaften, die sich darauf spezialisiert haben. Zum Teil sind es aber auch, wie Sie bereits angedeutet haben, Menschen, die eine Wirtschaftshochschule absolviert haben und sich sagen: Ich weiß, wie man ein Unternehmen führt. Ich möchte aber keines von Grund auf aufbauen, denn das ist riskant. Und ich möchte auch nicht bei Procter & Gamble als stellvertretender Strategieleiter arbeiten. Warum also nicht etwas Geld zusammentragen und eines dieser Unternehmen kaufen, es professionalisieren, insbesondere wenn der Eigentümer schon etwas älter ist und mit der Entwicklung der vergangenen Jahre nicht Schritt gehalten hat, sein Unternehmen nicht vollständig digitalisiert und die neuesten Technologien nicht eingesetzt hat? Auf diese Weise könnte ich ein Vermögen verdienen. Erzählen Sie uns also von diesem Trend, diesem Wandel und davon, wie er die Natur solcher Unternehmen verändert.
Zwick: Ich glaube, eine Möglichkeit, die weite Verbreitung der Millionäre von nebenan zu verstehen, besteht darin, sich anzuschauen, wie dieses Phänomen verschiedene Institutionen der Gesellschaft verändert hat. In diesem Kapitel beschreiben wir den Wandel der Private-Equity-Branche. Ursprünglich konzentrierte sie sich, wie Sie gesagt haben, auf große börsennotierte Unternehmen, bei denen die Investoren Ineffizienzen vermuteten. Ihre Zuhörer könnten das durchaus zutreffend so interpretieren, dass es dort hoch bezahlte Arbeitnehmer gab, die man durch günstigere Arbeitskräfte im Ausland ersetzen wollte. Hinzu kamen weitere Maßnahmen zur Kostensenkung, ohne dass das Unternehmen selbst besonders stark wuchs. Das war die erste Generation von Private Equity, bei der außerdem sehr viele Schulden aufgenommen wurden, was es für diese Unternehmen äußerst schwierig machte, möglicherweise überhaupt zu überleben.
Als der Wettbewerb in diesem Bereich immer intensiver wurde, gingen die Renditen im Private-Equity-Geschäft mit sehr großen Unternehmen zurück. Also sahen sich die Private-Equity-Gesellschaften um und fragten sich: Wo gibt es hohe Gewinne? Wo gibt es viel Wachstum? Wo können wir einige unserer Strategien auch anderswo anwenden? Es gibt Zehn-, wenn nicht Hunderttausende mittelständische Unternehmen in Privatbesitz, häufig von ihren Gründern in erster Generation geführt, die sich zu sehr erfolgreichen Betrieben entwickelt haben, für die es aber keine naheliegenden Nachfolger gibt. Die Kinder wollen das Unternehmen nicht übernehmen oder es gibt keine Kinder. Die Mitarbeiter wollen es nicht kaufen oder sind vielleicht nicht bereit, auch nur annähernd so viel dafür zu bezahlen wie eine Private-Equity-Gesellschaft. Das gilt auch für Kinder, die das Unternehmen zwar übernehmen möchten, dafür aber einen Kaufpreis zahlen müssten.
So hat sich Private Equity im Mittelstand etabliert. Vielleicht arbeiten inzwischen zehn bis fünfzehn Prozent aller Beschäftigten in Unternehmen, die Private-Equity-Gesellschaften gehören, oder ungefähr so viele. Es ist also keineswegs die vorherrschende Eigentumsform in der amerikanischen Wirtschaft. Aber sie ist hier sehr viel verbreiteter als in vielen anderen Ländern und bietet diesen Unternehmen gewissermaßen einen Ausweg, wenn sie andernfalls schließen müssten, weil niemand die Nachfolge antreten will. Bei diesen mittelständischen Unternehmen gibt es möglicherweise mehr Möglichkeiten, regional zu expandieren, das Produktangebot auszuweiten oder bestimmte Bereiche zu professionalisieren, die von der Familie bislang nicht professionell geführt wurden. Die Umsetzung ist dabei vielleicht etwas weniger problematisch.
Allerdings kann es vorkommen, dass bei den eingesetzten Materialien gespart wird, ohne dass man es unmittelbar bemerkt. Man verwendet beispielsweise billigeres Salz statt des hochwertigen Salzes von Morton oder etwas in der Art. Deshalb muss man sich manchmal Sorgen machen, dass die Produktqualität leidet, wenn eine Private-Equity-Gesellschaft ein Unternehmen übernimmt. Ich sehe darin ein zweischneidiges Schwert, denn zugleich entsteht dadurch eine Chance für neue Anbieter, die bessere Bagels herstellen. Ich habe mich sehr gefreut, als in meiner Nachbarschaft eine Filiale von H&H Bagels eröffnete. Weniger erfreut war ich, als ich erfuhr, dass dies auf einen Verkauf aus finanziellen Gründen zurückging, der möglicherweise dazu führte, dass die Bagels nicht mehr so gut waren wie die ursprünglichen H&H-Bagels damals in New York.
Mounk: Wie sollten wir den Einfluss von Private Equity hier insgesamt bewerten? Ich finde, einer der interessanten Aspekte Ihres Buches ist, dass es auf bemerkenswerte Weise quer durch die ideologischen Lager verläuft. Sie sind Sozialwissenschaftler und stellen diese Informationen einfach dar, aber bei jedem einzelnen Aspekt bin ich selbst etwas hin- und hergerissen. Wieder besteht die Versuchung zu sagen: Früher waren das ehrliche lokale Unternehmen, gegründet von hoffentlich charismatischen und vielleicht sogar liebenswerten Menschen, die sich aus eigener Kraft hochgearbeitet hatten oder etwas in der Art. Sie gingen ein Risiko ein und gründeten diese Unternehmen. Und jetzt werden sie an gesichtslose Private-Equity-Leute aus Manhattan verkauft, denen die örtliche Gemeinschaft egal ist, denen die Qualität der Produkte egal ist und die nur schnell Geld verdienen wollen.
Andererseits könnte man sagen: Tatsächlich werden viele dieser Unternehmen gekauft, weil jemand eine echte Möglichkeit sieht, sie auf irgendeine Weise weiterzuentwickeln. In manchen Fällen mag die Finanzierung auf eine Weise erfolgen, die bestimmte merkwürdige Eigenheiten des regulatorischen Rahmens ausnutzt. Aber häufig könnte es doch einfach darum gehen, dass ein Unternehmen bislang eine bestimmte Region bedient, seine Dienstleistungen aber auch in einer anderen Region sehr gefragt wären. Wenn es diese Dienstleistungen wirklich gut erbringt und tatsächlich etwas zu bieten hat, wird es mehr Geld verdienen, und die Kunden in der neuen Region werden zufrieden sein, oder? Und wenn es darum geht, die Dienstleistungen zu professionalisieren: Jemand hat sein Geschäft auf eine bestimmte Weise aufgebaut, vielleicht gibt es inzwischen eine Website, aber plötzlich kommt auch noch eine App dazu und so weiter. Vielleicht verbessert das schlicht das Unternehmen und macht die Kunden zufriedener. Ich nehme an, es ist ein zweischneidiges Schwert. Wie wägen Sie die positiven und negativen Folgen dieser Private-Equity-Revolution gegeneinander ab?
Zidar: Eines der Dinge, die wir mit unserem Buch versuchen, ist, die Wirtschaft einfach so zu beschreiben, wie sie tatsächlich ist. Dabei sieht man viele dieser Aspekte, und beide Seiten treffen zu. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Fälle. Wir sprechen von drei Millionen Millionären von nebenan, und es gibt viele verschiedene Branchen. Man muss also differenzieren. Wir versuchen nicht, eine bestimmte politische Agenda zu vertreten. Wir wollen den Reichtum in Amerika beschreiben, und dabei begegnet man beiden Entwicklungen. Ich glaube, das ist auch ein Grund, warum es manchen Menschen schwerfällt, Nachrichten einzuordnen. Wenn sich etwas nicht in einem Slogan aus drei Wörtern zusammenfassen lässt, greift es möglicherweise keine politische Partei auf. Aber beide Aspekte gehören heute tatsächlich zur amerikanischen Lebenswirklichkeit und zur Private-Equity-Branche.
Zwick: Wir haben das Beispiel Outback Steakhouse, das meiner Meinung nach sehr anschaulich zeigt, was passieren kann, wenn eine Private-Equity-Gesellschaft ein Unternehmen übernimmt, dessen Marke die Menschen eigentlich mögen. Ich weiß nicht, ob Sie schon einmal in einem Outback Steakhouse waren. Das entspricht wahrscheinlich nicht ganz Ihrem Geschmack.
Mounk: Nein, war ich noch nicht. Irgendwann muss ich wohl einmal eine Rundreise durch die amerikanischen Restaurantketten zwischen Fast Food und klassischem Restaurant machen. Outback Steakhouse gehört wohl eher zum gehobenen Ende dieser Kategorie oder so ähnlich. Irgendwann muss ich eine fünftägige Tour machen, bei der ich jeden Tag in einem anderen Restaurant esse, bei Chili’s, bei Outback Steakhouse. Ich war auch noch nie in einem Olive Garden. Eigentlich kann ich mich gar nicht als Amerikaner bezeichnen, solange ich das nicht gemacht habe.
Zwick: Ich gehe an solche Restaurants gerne mit der Frage heran: Was ist hier das beste Gericht auf der Speisekarte? Und vielleicht würde es Ihnen tatsächlich gefallen. In jedem dieser Restaurants gibt es etwas, das man durchaus genießen kann, auch wenn man sich damit kulinarisch ein wenig unter seinem üblichen Niveau bewegt. Ich bin gewissermaßen in dieser Welt aufgewachsen und habe sie eigentlich sehr genossen. Ich kehre auch heute noch gelegentlich dorthin zurück, weil ich damit einige Kindheitserinnerungen verbinde. Als die Private-Equity-Gesellschaft in diesem Fall das Unternehmen übernahm, holte sie einige Berater hinzu. Es handelte sich nämlich um Bain Capital, und die engagierten Berater von Bain, um die Speisekarte systematisch auf Einsparmöglichkeiten zu überprüfen. Statt Schweizer Käse aus der Schweiz sollte nun irgendein gewöhnlicher Käse verwendet werden. Statt das Salatdressing frisch im Restaurant zuzubereiten, sollte es in großen Kanistern angeliefert werden. Sie nahmen also solche schwer erkennbaren Kostensenkungen an einzelnen Stellen vor, die möglicherweise die Gewinnmarge des Unternehmens verbesserten, aber vielleicht auf Kosten der Kunden gingen, nicht nur auf Kosten der Beschäftigten. Wir erzählen diese Geschichte und diskutieren sie, damit die Menschen verstehen, was Private-Equity-Gesellschaften tatsächlich tun.
Dann erzählen wir die Geschichte eines anderen Unternehmens, eines Herstellers italienischer Wurstwaren, der bereits seit mehreren Generationen in Familienbesitz war. Die nächste Generation wusste allerdings nicht so recht, was sie damit anfangen sollte oder ob sie das Unternehmen überhaupt weiterführen wollte. In diesem Fall bot sich die Möglichkeit, landesweit zu expandieren und die Produkte über Vertriebsnetze in die Regale von Costco und anderen großen Einzelhandelsketten zu bringen. Das war etwas, was die Familie mit ihrem bislang eher regional ausgerichteten Unternehmen nicht leisten konnte. Dabei mussten sie nicht unbedingt Abstriche bei der Produktqualität machen, denn es handelte sich um hochwertige italienische Wurstwaren aus ganzen Fleischstücken und nicht um jene aus Fleischresten hergestellten Wurstwaren, die man mit Upton Sinclairs Schilderungen der Fleischindustrie verbindet. Ich glaube, sie haben versucht, diese Qualität zu bewahren und lediglich das Geschäft auszubauen. Das ist die positivere Seite. Was leistet Private Equity in diesem Fall? Die Investoren bringen viel Kapital von außen ein. Die Familie hätte vielleicht fünfzig Jahre gebraucht, um das Unternehmen in dem Maße wachsen zu lassen, wie es eine Private-Equity-Gesellschaft innerhalb von fünf bis zehn Jahren versuchen wird. Beides kann also zutreffen.
Mounk: Nun wird es hier natürlich enorme Unterschiede geben, sowohl zwischen den beteiligten Personen als auch zwischen den jeweiligen Gemeinden. Aber lässt sich das Verhältnis zwischen den Millionären von nebenan und den Gemeinden, in denen sie leben, irgendwie beschreiben? Interessant ist ja, dass wir uns Milliardäre oft als Menschen vorstellen, die ihre örtlichen Wurzeln verloren haben. Vielleicht leben sie im Silicon Valley oder sonst wo, fliegen mit Privatjets um die Welt, sind irgendwo aufgewachsen, haben anderswo studiert und wieder an einem anderen Ort ihr Unternehmen aufgebaut. Es gibt diese Vorstellung einer entwurzelten, heimatlosen Oberschicht. Ich glaube, dass das selbst auf die reichsten Menschen der Welt nicht vollständig zutrifft, aber bis zu einem gewissen Grad eben doch.
Hier sprechen wir dagegen vermutlich überwiegend von Menschen, die starke lokale Wurzeln haben. Viele von ihnen leben, nehme ich an, noch immer in den Gemeinden, in denen sie aufgewachsen sind, oder zumindest seit Jahrzehnten am selben Ort. Im Großen und Ganzen leben sie nicht in Manhattan, ungeachtet meines Beispiels mit Absolute Bagels, und auch nicht in Los Angeles. Sie leben überall im Land. Sie sind also tief in ihren Gemeinden verwurzelt und haben die Möglichkeit, viel Gutes für diese Gemeinden zu tun. Zugleich könnten sie aber auch eine Art lokale Honoratioren sein, was durchaus negative Seiten haben kann. Vielleicht spielen sie ihre Macht gegenüber den örtlichen Gemeinschaften auf unterschiedlichste Weise aus. Was lässt sich darüber sagen, wie sich das im gesellschaftlichen Alltag tatsächlich äußert?
Zidar: Ich glaube, das trifft genau zu. Wenn man sich beispielsweise Autohändler anschaut, sieht man, dass auf sie etwa zwanzig Prozent der Umsatzsteuereinnahmen der Bundesstaaten entfallen. Sie sind stark an ihren Standort gebunden. Ein Autohaus lässt sich schließlich nicht einfach von einem Ort an einen anderen verlegen. Sie sind in ihrer Stadt ansässig, unterstützen häufig örtliche Jugendbaseballmannschaften und genießen, ebenso wie andere Kleinunternehmer, großes Vertrauen. Kleine Unternehmen gehören zu den Institutionen, denen die Amerikaner am meisten vertrauen, weit mehr als dem Kongress und anderen Institutionen. Das ist eine enorme Stärke, und ich glaube, darin spiegeln sich einige der positiven Aspekte wider, die Sie angesprochen haben. Aber im dritten Teil unseres Buches wollen wir auch zeigen, dass viele dieser Menschen, wie andere erfolgreiche Menschen auch, versuchen, die Regeln zu ihren eigenen Gunsten zu beeinflussen. Autohändler haben von enormen Vorteilen profitiert, und ich glaube, einige davon sollten wir genauer beleuchten.
Mounk: Der wichtigste davon ist, soweit ich weiß, wobei Sie die Einzelheiten sicher viel besser kennen als ich, dass man in den meisten Bundesstaaten ein Auto nicht direkt an einen Kunden verkaufen darf. Man braucht ein Autohaus mit einem physischen Standort. Ich kann nicht einfach eine Website einrichten, auf der ich Autos verkaufe. Tesla beispielsweise darf in vielen Bundesstaaten keine Website betreiben, über die das Unternehmen seine Autos direkt an Kunden verkauft. Es muss solche Autohäuser geben.
Zidar: Ja, das stimmt. Hinzu kommen andere Dinge, etwa die Wartung und Reparatur von Autos. Wenn Sie ein Autohaus betreiben und beispielsweise Jeeps verkaufen und Jeep für ein bestimmtes Bauteil einen Rückruf startet, liegt es sehr im Interesse des Händlers, diese Fahrzeuge zurückzuholen und die Reparaturen selbst durchzuführen. Für solche Garantieleistungen werden die Händler nämlich ziemlich großzügig bezahlt. Es kann beispielsweise sein, dass sie für jede Reparatur tausend Dollar berechnen beziehungsweise erhalten, obwohl sie sie nur fünfhundert Dollar kostet. Sie haben also einen Anreiz, möglichst viele Fahrzeuge in ihre Werkstätten zu holen. Durch diese exklusive Geschäftsbeziehung können andere Wettbewerber die Preise nicht unterbieten, und das macht die Sache ziemlich teuer. Ähnliches sieht man bei der Finanzierung. Für viele Menschen ist das oft ziemlich kompliziert, und beim Autokauf schließen sie am Ende alle möglichen zusätzlichen Verträge ab. Die Autopreise sind in Amerika derzeit ziemlich hoch, und wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen mit den Lebenshaltungskosten zu kämpfen haben. Ich glaube, genau solche Dinge müsste man angehen, um die Bezahlbarkeit des Lebens in Amerika zu verbessern.
Zwick: Eines unserer Anliegen ist es, den politischen Einfluss dieser Bevölkerungsgruppe sichtbar zu machen und zu zeigen, welche Rolle sie tatsächlich spielt. Es gibt nie nur einen einzigen Millionär. In jedem Kongresswahlkreis gibt es mehrere. Sie sind geografisch nicht in derselben Weise konzentriert wie die Technologie- und Finanzbranche, deren Unternehmen sich aufgrund von Ballungseffekten an bestimmten Standorten ansiedeln. Und die Milliardäre, die, wie Sie sagen, gewissermaßen staatenlos sind, verfügen nicht über dieselbe lokale Macht wie diese Menschen, die sowohl durch ihre Unternehmen als auch als Arbeitgeber so tief in ihren Gemeinden verwurzelt sind. Wenn sie für ein politisches Amt kandidieren, haben sie von Natur aus Vorteile bei der Beschaffung von Wahlkampfspenden.
Besonders überrascht hat uns, wie stark sie im Verhältnis zu ihrem Bevölkerungsanteil in politischen Ämtern überrepräsentiert sind. Für den Kongress schätzen wir, dass etwa ein Viertel seiner Mitglieder Eigentümer nicht börsennotierter Unternehmen sind. Wenn man die Partner von Anwaltskanzleien hinzunimmt, könnte der Anteil auf 40 bis 50 Prozent steigen, je nachdem, wie man einige dieser Kanzleipartner einordnet. Auf Ebene der Bundesstaaten und Kommunen ist die Überrepräsentation von Unternehmern möglicherweise sogar noch etwas größer. Das Phänomen erstreckt sich über die Parteigrenzen hinweg, auch wenn diese Menschen tendenziell eher den Republikanern angehören. Ich glaube, es ist für viele Menschen wirklich aufschlussreich, zu erkennen, welche natürlichen Vorteile diese Gruppe bei der Kandidatur für politische Ämter hat, welche Weltanschauungen ihre Mitglieder vertreten und was sie in die Politik einbringen: welche politischen Prioritäten sie setzen, welche Maßnahmen sie umsetzen, die ihnen unmittelbar zugutekommen, oder welche Entscheidungen einfach ihre Weltsicht widerspiegeln. Denn wenn wir heute in den Vereinigten Staaten über politische Macht sprechen, konzentrieren wir uns sehr stark auf die Oligarchen, insbesondere auf der politischen Linken, würde ich sagen. Wir nennen diese Menschen deshalb die „Middle-garchs“, gewissermaßen die Oligarchen des mittleren Marktsegments. Der deutsche Mittelstand ist vielleicht ein vergleichbares Beispiel, wobei ich glaube, dass es sich dabei um eine andere Gruppe mit einer anderen historischen Bedeutung handelt. Aber ich denke, das ist ein wichtiger Teil unseres Buches, über den wir sprechen wollen.
Mounk: Eine etwas provokante Art, diesen Punkt zuzuspitzen, wäre folgende: Wir betrachten das Gilded Age, das sogenannte Vergoldete Zeitalter, als jene Epoche, in der die Rockefellers, die Eisenbahnbarone und andere das amerikanische Leben beherrschten. Viele Menschen auf der Linken behaupten, wir befänden uns heute in einem zweiten Vergoldeten Zeitalter. Diejenigen, die das Land wirklich beherrschen, seien die Tech-Milliardäre und vielleicht noch einige andere: Elon Musk, Mark Zuckerberg und ähnliche Personen. Wenn ich Sie richtig verstehe, sagen Sie, dass dies eigentlich die falsche Art ist, unsere Gegenwart zu betrachten. Natürlich verfügen diese Menschen über sehr viel Reichtum und politischen Einfluss, und ich glaube nicht, dass Sie bestreiten würden, dass wir uns mit ihnen beschäftigen sollten. Aber ein wesentlich größerer Anteil des Vermögens liegt in den Händen dieser anderen Menschen.
Wie verändert das unsere Einschätzung der gegenwärtigen politischen Lage? Welche Schlussfolgerungen ziehen wir, wenn wir glauben, dass wir in einem zweiten Vergoldeten Zeitalter leben? Inwiefern beschreibt das die Wirklichkeit falsch? Und inwiefern verstehen wir die Welt besser, wenn wir Ihrer Darstellung folgen?
Zidar: Eine konkrete Möglichkeit, sich dieser Frage zu nähern, besteht darin, die wichtigste gesetzgeberische Errungenschaft der Trump-Regierung zu betrachten, den One Big Beautiful Bill. Wenn man sich anschaut, was dieses Gesetz bewirkt hat, gehörte Elon Musk eher zu den Verlierern. Die Förderung sauberer Energien wurde drastisch zusammengestrichen, und Steuergutschriften für Elektrofahrzeuge wurden nicht begünstigt. Die Eigentümer gewöhnlicher, nicht börsennotierter Unternehmen konnten dagegen einen Steuerabzug von zwanzig Prozent behalten, durch den ihr Steuersatz sieben Prozentpunkte niedriger ausfällt als der aller anderen. Autohändler erhielten ohne ersichtlichen Grund einen neuen Steuerabzug, ähnlich dem Abzug von Hypothekenzinsen. Zusammengenommen mit einigen Erleichterungen bei der Erbschaftsteuer ergaben diese Maßnahmen Steuersenkungen in Höhe von ungefähr einer Billion Dollar, über die niemand spricht. Die Gesetzgebung betrifft also eine viel breitere Gruppe, und wir wollen den Blick dafür weiten.
Ich stimme Ihnen vollkommen zu, dass man, wenn man sich die Nachrichten von gestern oder sogar von heute Morgen anschaut, sämtliche Führungskräfte der KI-Branche bei einer Pressekonferenz mit dem Sprecher des Repräsentantenhauses und Donald Trump gesehen hat. Aber einer der Punkte, auf die wir aufmerksam machen wollen, ist, dass lustigerweise sogar der Sprecher des Repräsentantenhauses im Haus eines Autohändlers wohnt. Wenn man also etwas Abstand gewinnt und über Reichtum und Macht in Amerika nachdenkt, erkennt man diesen viel breiteren Einfluss. Ich glaube, das hilft auch dabei, Lösungsansätze zu erkennen, auf die man vielleicht nicht käme, wenn man nur an eine Handvoll Menschen denkt. Wenn man beispielsweise die wirtschaftlichen Chancen verbreitern oder die Steuerbasis vergrößern möchte, ist diese Steuerbasis sehr viel größer, wenn man die fünfzig Billionen Dollar Vermögen dieser Gruppe betrachtet statt der fünf Billionen Dollar, die sich auf eine kleine Handvoll Milliardäre verteilen.
Mounk: Welche politischen Schlussfolgerungen ergeben sich daraus? Wenn man glaubt, dass Milliardäre das Problem sind und Milliardäre böse sind, dann liegt die Antwort relativ nahe. Ich glaube zwar, dass es in der Praxis nicht so einfach ist, aber man wird dann zu Vermögensteuern oder ähnlichen politischen Maßnahmen tendieren. Wenn man dagegen davon ausgeht, dass ein so großer Teil dieses Reichtums von den Millionären von nebenan geschaffen wird – von denen einige reich geworden sind, weil sie ihre Beschäftigten schrecklich behandeln und für sie günstige Vorschriften ausnutzen, während viele andere wirklich wertvolle lokale Unternehmen betreiben, in ihren Gemeinden beliebt sind und im Allgemeinen eine bewundernswerte Lebensgeschichte haben –, dann wird es sehr viel schwieriger, daraus eine eindeutige politische Agenda abzuleiten, schon gar keine, die sich in einem Slogan aus vier Wörtern zusammenfassen lässt. Welche Konsequenzen ergeben sich Ihrer Meinung nach aus all dem?
Zwick: Wir hätten mit unserem Buch schon viel erreicht, wenn es die Menschen einfach dazu bringt, über die Wirtschaft und darüber, woher Einkommen, Vermögen und Wohlstand in diesem Land stammen, auf eine Weise nachzudenken, die sich stärker an den Fakten orientiert als an dem, was ihnen Instagram-Reels darüber erzählen. Unser Buch ist in erster Linie kein Plädoyer für eine bestimmte politische Agenda. Aber es regt durchaus dazu an, über politische Maßnahmen nachzudenken. Wenn man beispielsweise Steuerprobleme lösen, erhebliche zusätzliche Einnahmen erzielen und vielleicht das Haushaltsdefizit verringern möchte, dann erscheint eine Vermögensteuer für eine kleine Gruppe von Menschen als naheliegendste und möglicherweise sogar ausreichende Antwort, sofern man glaubt, dass wir in einem zweiten Vergoldeten Zeitalter leben. Wir sagen dagegen: Nein, es gibt eine viel größere Gruppe von Menschen, die über enorme finanzielle Mittel verfügt und sich offenbar höhere Steuern leisten könnte. Früher haben diese Menschen auch mehr Steuern gezahlt, und die Wirtschaft funktionierte trotzdem ziemlich gut. Eine umfassendere Steuerreform wäre deshalb, zumindest im Hinblick auf die Verbesserung der öffentlichen Finanzen, sehr sinnvoll. Wir sagen nicht, dass man nicht auch einige der Steuerschlupflöcher schließen sollte, von denen die Tech-Milliardäre profitieren. Aber das allein dürfte nicht ausreichen, um das Haushaltsproblem zu lösen.
Wenn man über Marktmacht nachdenkt, besteht die Tendenz, sich auf die riesigen Plattformen zu konzentrieren, also auf Technologieunternehmen wie Amazon und Google, und zu sagen: Hier müssen wir gegen Monopole vorgehen. Wir sagen dagegen, dass es tatsächlich viele regionale Märkte gibt, auf denen Markteintrittsbarrieren bestehen. In zahlreichen Berufen und Branchen werden die entscheidenden Regeln nicht einmal auf Bundesebene festgelegt. Die Entscheidungsbefugnis und der Ermessensspielraum liegen vielmehr bei den Bundesstaaten und Kommunen. Wenn wir den Markteintritt neuer Anbieter fördern, die Kosten senken und Dienstleistungen leichter zugänglich machen wollen, damit man beispielsweise nicht lange auf einen Arzttermin warten muss, dann müssen wir genau diese Markteintrittsbarrieren angehen.
Wenn man an die Menschen im obersten einen Prozent denkt, deren Wohlstand im Vergleich zu dem eines durchschnittlichen Arbeitnehmers so stark gestiegen ist, stellt sich die Frage, in welche Arbeitsmarktinstitutionen wir wieder investieren sollten, damit die Arbeitnehmer aufholen oder stärker an den Erträgen dieses Wachstums beteiligt werden. Es geht um umfassendere institutionelle Reformen. Dazu gehört etwa der Mindestlohn, der seit sehr langer Zeit nicht mehr angehoben wurde und deutlich unter dem Niveau liegt, auf dem er sonst wäre. Oder eine Möglichkeit der Gesundheitsversorgung, die es Menschen aus den unteren und mittleren Einkommensschichten erleichtert, sich medizinische Leistungen zu leisten. Das könnte es Unternehmen möglicherweise auch ermöglichen, höhere Löhne zu zahlen, weil nicht mehr der gesamte Lohnzuwachs durch Leistungen für die Krankenversicherung aufgezehrt würde. Das sind einige Beispiele dafür, wie Arbeitnehmer stärker am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt werden könnten. Vielleicht haben wir über solche Maßnahmen bislang zu wenig nachgedacht, weil wir uns nicht ausreichend mit diesen mittelständischen Unternehmen und ihrem Zusammenhang mit der Entwicklung der Ungleichheit beschäftigt haben.
Mounk: Eine ganz kleine Frage: Wie wird künstliche Intelligenz all das verändern? Natürlich gibt es eine ganze Reihe von Fragen dazu, ob KI den Arbeitsmarkt und zahlreiche Berufe grundlegend verändern wird. Handelt es sich hier um Unternehmen, die von KI in dieser Weise betroffen sein werden, oder eher um Unternehmen, auf die KI kaum Auswirkungen haben wird? Andererseits könnte man auch vermuten, dass die Zahl der Millionäre von nebenan enorm steigen wird. Eine mögliche Geschichte über KI lautet ja, dass man früher zwanzig Mitarbeiter und eine Menge Kapital brauchte, um ein Unternehmen zu gründen, während man das heute vielleicht allein schaffen kann. Vielleicht werden dadurch tatsächlich viel mehr Amerikaner in der Lage sein, ziemlich erfolgreiche Unternehmen zu gründen. Wir denken dabei häufig an das nächste Einhorn, also ein Technologie-Start-up mit einer Milliardenbewertung. Aber vielleicht gilt das auch für jemanden, der in einer bestimmten Region lokale Marketingdienstleistungen anbieten möchte, und zwar auf eine Weise, die vor fünfzehn oder zwanzig Jahren noch nicht möglich gewesen wäre. Vielleicht kann auch dieser Mensch eines jener sehr erfolgreichen Unternehmen aufbauen.
Zidar: Dazu habe ich mehrere Gedanken. Erstens handelt es sich häufig um relativ widerstandsfähige Branchen. Denken Sie an die Reparatur von Garagentoren. Davon, dass künstliche Intelligenz diese Arbeit übernimmt, sind wir noch ziemlich weit entfernt. Zweitens sehe ich enorme Chancen bei Unternehmen, die häufig von älteren Angehörigen der Babyboomer-Generation geführt werden, die kurz vor dem Ruhestand stehen. Diese Menschen sind möglicherweise nicht auf dem neuesten Stand, wenn es darum geht, ihre Kundenlisten zu verwalten oder technische Möglichkeiten zu nutzen. Wenn jemand ein solches Unternehmen kauft, künstliche Intelligenz einführt und bestimmte Geschäftsabläufe modernisiert, ergeben sich meiner Meinung nach enorme Chancen. Und drittens wird es, wie Sie gesagt haben, wahrscheinlich auch viele neue Möglichkeiten für Unternehmensgründungen geben, weil man bestimmte Verwaltungsaufgaben selbst übernehmen oder mit weniger Aufwand erledigen kann. Insgesamt sehe ich das ziemlich optimistisch. Allerdings verändert sich die Welt so schnell, dass es schwierig ist, sich bei irgendeiner dieser Entwicklungen wirklich sicher zu sein.
Zwick: Bei bestimmten Berufen habe ich das Gefühl, dass spezialisierte Dienstleistungsunternehmen, etwa die Anwaltskanzleien, über deren Partner wir zu Beginn gesprochen haben, im Grunde glorifizierte Suchen-und-Ersetzen-Funktionen ausführen. Man könnte sogar sagen, dass viele Wissenschaftler etwas Ähnliches tun. Ich glaube, künstliche Intelligenz wird sie dazu zwingen, die Art ihres Geschäfts zu verändern, um dessen Wert zu erhalten. In einigen dieser Berufe könnten die Preise erheblich unter Druck geraten. Denken Sie an Unternehmensberater, Anwälte oder die PR-Branche. Das sind Beispiele für Branchen, in denen sich aufgrund des guten Rufs und der Arbeit, die hinter den Kulissen geleistet wird, beträchtliche zusätzliche Gewinne erzielen lassen, obwohl KI diese Tätigkeiten wahrscheinlich nachahmen könnte. Es ist interessant, darüber nachzudenken, welche Dynamik das in diesen Branchen auslösen wird.
Mounk: Sie haben ein wenig über Unternehmensgründungen gesprochen. Wissenschaftler in den Vereinigten Staaten werden im historischen Vergleich ziemlich gut bezahlt, im internationalen Vergleich sogar sehr gut. Ich glaube, viele Wissenschaftler in Frankreich und anderen Ländern würden amerikanische Wissenschaftler bereits als Millionäre von nebenan betrachten. Aber Sie verdienen sicherlich weniger als manche der Menschen, über die Sie in Ihrem Buch schreiben. Waren Sie während der Arbeit daran jemals versucht, Ihren Beruf aufzugeben und selbst eines dieser Unternehmen zu gründen?
Zwick: Um unseren Zuhörern gleich einmal etwas vorwegzunehmen: Ein Buch zu schreiben gehört nicht zu den Wegen zum Reichtum, die wir in unserem Buch vorstellen. Wir haben es eher geschrieben, um interessante Gespräche wie dieses zu führen, hinauszugehen, unterschiedliche Menschen kennenzulernen und unsere Erkenntnisse einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Und das hat uns unglaublich viel Spaß gemacht.
Wir haben uns wirklich viel Zeit genommen, mit diesen Menschen darüber zu sprechen, wie ein typischer Tag in ihrem Leben aussieht, um das möglichst anschaulich und greifbar zu machen. Ich glaube, ein großer Teil der Literatur über Ungleichheit, etwa über das oberste eine Prozent, bleibt ziemlich gesichtslos. Das erinnert ein wenig an unsere frühere Diskussion über Private Equity, bei der man sich fragt: Wer sind diese Menschen eigentlich?
Sie haben alle ihre eigene Geschichte. Oder wie sieht der Alltag aus, wenn man ein solches Unternehmen führt und weiterentwickelt? Das ist überhaupt nicht glamourös. Es ist oft mühsame Arbeit und klingt ziemlich langweilig. Ich glaube, für viele von ihnen wäre unser Beruf wesentlich interessanter. Man trifft spannende Menschen, lernt neue Dinge, schreibt gerne und kann ununterbrochen reden, was wir als Wissenschaftler ja besonders gerne tun. Diese Unternehmer vertreiben dagegen buchstäblich Toilettenpapier. Wir haben mit einem Mann gesprochen, der genau das macht. Er ist morgens als Erster da, um Kundenanrufe entgegenzunehmen und sich Beschwerden über die letzte Lieferung anzuhören. Und er liebt es wirklich, mit Kunden zu sprechen und ihre Probleme zu lösen. Aber dafür muss man, glaube ich, eine echte Leidenschaft mitbringen. Vielleicht erklärt das letztlich auch, warum nicht mehr Menschen solchen wenig glamourösen Tätigkeiten nachgehen.
Mounk: Da stimme ich Ihnen übrigens vollkommen zu. Während meiner Promotionszeit hat mich etwas immer sehr geärgert. Damals gab es eine große Initiative zur gewerkschaftlichen Organisation von Doktoranden, und ich habe nichts gegen Gewerkschaften für Doktoranden. Ich habe in Harvard promoviert. Wenn wir etwas Geld aus dem Stiftungsvermögen von Harvard bekommen und es an Doktoranden verteilen können, habe ich überhaupt nichts dagegen. Aber es gab diese Rhetorik, nach der wir die Unterdrückten dieser Erde seien. Das fand ich anstößig, wenn man bedenkt, wie viele Menschen überall im Land in Fast-Food-Restaurants arbeiten und ein sehr, sehr viel härteres Leben führen als irgendjemand, der nur eine Meile oder ein paar Hundert Meter von ihnen entfernt an der Universität sitzt.
Ich glaube aber auch, dass ein großer Teil dieses Ungerechtigkeitsgefühls daher rührte, dass man sich sagte: Ich habe zusammen mit James und Sarah studiert, und James und Sarah sind in die Finanzbranche oder irgendeine andere Branche gegangen und verdienen jetzt so viel mehr Geld als ich. Und irgendwie ist das unfair. So wird es nur selten offen ausgesprochen, denn sobald man es so formuliert, wird die Absurdität dieses Gedankens ziemlich offensichtlich. Aber ich glaube tatsächlich, dass der eigentliche gesellschaftliche Ursprung dieses Ungerechtigkeitsgefühls darin liegt, dass die Freunde, mit denen ich studiert habe und die nicht intelligenter sind als ich, heute im Geld schwimmen, während ich hier als armer Doktorand sitze. Dabei habe ich mich bewusst und ganz absichtlich für diesen Weg entschieden, und ich würde es wieder tun. Denn ein akademisches Leben bietet unzählige andere Formen der Entlohnung: wie interessant die eigene Arbeit von einem Moment zum nächsten ist, wie viel Freiheit man hat und eine Milliarde anderer Dinge. All das bekommt man nicht, wenn man im zweiten Jahr als angestellter Anwalt in einer großen Kanzlei arbeitet, und erst recht nicht, wenn man einen örtlichen Betrieb für die Reparatur und den Austausch von Garagentoren führt.
Zidar: Ich finde, das haben Sie gut ausgedrückt. Ein interessanter Aspekt daran, wie sich solche Ressentiments gegenüber Milliardären im Vergleich zu den Millionären von nebenan äußern, ist, dass viele Milliardäre sehr schnell reich geworden sind. Wenn man sich anschaut, wie schnell einige dieser Unternehmen gewachsen sind, ist das etwas ganz anderes, als wenn jemand sagt: Ich habe mich vier Jahrzehnte lang abgerackert und mein Unternehmen langsam immer weiter ausgebaut. Ein gewöhnlicher Mensch könnte sagen: Ich habe mehr Respekt vor jemandem, der sich seinen Erfolg über vier Jahrzehnte harter Arbeit verdient hat, als vor jemandem, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und innerhalb von fünf Minuten reich geworden ist. Ich glaube, dass sich ein Teil der Ressentiments gegenüber Milliardären auch daraus erklärt. Es geht also nicht nur um die ehemaligen Kommilitonen.
Mounk: Sie sind also nicht versucht, Ihre akademische Laufbahn an den Nagel zu hängen und Millionär von nebenan zu werden. Ich muss sagen, ich bin es auch nicht. Aber falls einige unserer Zuhörer damit liebäugeln: Haben Sie ein paar Tipps und Tricks? Wo sollte man suchen? Was sollte man tun?
Zwick: Nun, der mittlere Teil unseres Buches trägt mit einem gewissen Augenzwinkern den Titel „Wie man reich wird“, weil wir darin die verschiedenen Wege zum Reichtum untersuchen. Der beste Weg, reich zu werden, besteht darin, reich geboren zu werden. Wenn Sie herausfinden können, wie Sie als Kind eines dieser Millionäre von nebenan zur Welt kommen, würden wir Ihnen das empfehlen. Allerdings könnte das schwierig werden. Man kann auch reich heiraten. Das kann funktionieren und liegt zumindest etwas stärker in der eigenen Hand. Aber wenn einem diese beiden Wege nicht offenstehen, denken Sie an John McCain, dessen Geschichte wir im Buch erzählen. Seine Frau stammte aus einer Familie, die im Biergroßhandel tätig war und deren Vermögen eine wichtige Finanzierungsquelle für seinen Wahlkampf darstellte. Wenn man erst einmal darauf achtet, begegnet man diesen Menschen überall, selbst an Orten, an denen man sie gar nicht vermutet hätte.
Aber ich glaube, dass die anderen Geschichten, also die von Menschen, die mit weniger Chancen ins Leben gestartet sind und es trotzdem in unser Buch geschafft haben, eine Art Orientierung bieten und einige Lehren bereithalten. Um ganz nach oben zu kommen, muss man irgendwann Eigentümer eines Unternehmens oder von Unternehmensanteilen werden. Je weiter wir auf der Vermögensskala nach oben gehen, desto häufiger begegnen wir Eigentümern nicht börsennotierter Unternehmen, für deren Reichtum dieser Besitz der entscheidende Faktor ist. Das bedeutet, dass man als Unternehmer auch gewisse Risiken eingehen muss.
Auch die erfolgreichen Unternehmer beginnen ihre Laufbahn nicht unbedingt als Unternehmer. Häufig lernen sie zunächst einen Beruf, arbeiten in einem Unternehmen und kommen der Unternehmensführung so nahe, dass sie beobachten können, wie ein Betrieb geleitet wird. Vielleicht finden sie auch einen Mentor. Am Anfang ihrer Karriere sammeln sie viele Eindrücke und Erfahrungen, und bestimmte Berufe und Branchen eignen sich offenbar besonders gut dafür. Wenn ich an einen McKinsey-Berater denke, der bei einem riesigen Fortune-500-Unternehmen eingesetzt wird, dann ist es ziemlich schwierig, dabei aus nächster Nähe mitzuerleben, wie ein Eigentümer ein Unternehmen von einiger Größe führt. Natürlich ist das für diejenigen, die eine solche Stelle bekommen, ein sehr angenehmer und interessanter Beruf. Aber er wird sie wahrscheinlich nicht auf den Weg bringen, später selbst Unternehmer zu werden. Wenn man dagegen in einem kleineren Unternehmen in einer Branche arbeitet, die einen interessiert, kann man vieles lernen, selbst mit anpacken und ganz unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Besonders wichtig ist es, Erfahrungen im Vertrieb zu sammeln. Denn Unternehmertum hat in vielerlei Hinsicht mit Verkaufen zu tun, sei es im Umgang mit Kunden und Lieferanten, bei der Einstellung von Mitarbeitern oder bei der Kapitalbeschaffung. Erfahrungen in diesen Bereichen zu sammeln, vermittelt konkrete Fähigkeiten, die Menschen meiner Meinung nach auf ihre Liste setzen sollten. Ich glaube, das sind Fähigkeiten, die auch gegenüber künstlicher Intelligenz relativ widerstandsfähig sind und die sich langfristig zu erwerben lohnen. Aber man muss diesen Weg nicht sofort einschlagen. Man kann geduldig sein und sich überlegen: Was lerne ich gerade, und wie kann ich dieses Wissen später einsetzen, wenn ich bereit bin, das Risiko einzugehen?
Dieses Transkript wurde mit Hilfe von KI übersetzt und von Niya Krasteva redigiert.


