Das auffällige Schweigen der politischen Linken zum Iran
Ich habe fünf führende progressive Publikationen nach Berichten über den Aufstand im Iran durchsucht. Das Gesamtergebnis: null.
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Eine beeindruckende Protestbewegung erschüttert derzeit die Macht im Iran. Millionen Menschen gehen auf die Straße, um gegen eine Korruption zu demonstrieren, die sie verarmen ließ, und gegen ein theokratisches System, das ihnen grundlegende Freiheiten genommen hat. Männer – und vor allem Frauen – wehren sich gegen Unterdrückung und Gewalt und kämpfen für ihre Würde und ihre Existenz.
Es gibt gute Gründe zu befürchten, dass diese Bewegung ein tragisches Ende nehmen könnte. Das Regime könnte erneut mit brutaler Gewalt gegen die eigene Bevölkerung vorgehen und dabei Dutzende, Hunderte oder gar Tausende Menschen töten. Augenzeugen berichten, dass genau dies bereits geschieht. Möglich ist auch, dass die Macht vom geschwächten Ajatollah Khamenei auf die Revolutionsgarden übergeht – vielleicht verbunden mit begrenzten Erleichterungen für Frauen, aber ohne echte politische oder wirtschaftliche Öffnung. Und selbst ein demokratischer Übergang garantiert keinen nachhaltigen Erfolg, wie die gescheiterten Versuche demokratischer Erneuerung von Ägypten bis Tunesien zeigen.
Doch für jeden, der an Freiheit, Gleichheit und die grundlegenden Rechte von Frauen glaubt, sollte klar sein, wo seine Sympathien liegen: bei den mutigen Millionen im Iran. Umso bemerkenswerter ist das Schweigen, das diesen historischen Protesten im Westen vielerorts entgegenschlägt.
Dieses Schweigen zeigt sich in etablierten Medien – von der BBC bis zum National Public Radio –, die auffallend lange brauchten, um die Bedeutung dieses Moments zu erkennen. Schlimmer noch: Als sie schließlich über die Ereignisse berichteten, spielten sie die Tragweite der Proteste häufig herunter; in einigen besonders eklatanten Fällen schienen Reporter sogar Sympathien für das brutale Regime zu hegen. (Zu Beginn der Proteste veröffentlichte The Guardian sogar einen Gastbeitrag von Abbas Aragchi, dem iranischen Außenminister.)
Noch ohrenbetäubender ist das Schweigen in den linksgerichteten Zeitungen und Magazinen der anglophonen Welt. Am Samstagmorgen durchsuchte ich die wichtigsten Publikationen der amerikanischen Linken auf jegliche Hinweise zum Iran. Auf den Webseiten von The Nation, The New Republic, Jacobin, Slate oder selbst Dissent fand sich nichts.1
Es gibt naheliegende Gründe, warum sich die Aufmerksamkeit derzeit anderswo bündelt. Amerikanische Medien haben gute Gründe, über die Entwicklungen in Venezuela zu berichten, über Ereignisse in Minnesota oder über die zahlreichen täglichen Zumutungen, die vom Weißen Haus ausgehen. Zudem ist es tatsächlich schwierig, aus einem Land zu berichten, das ausländische Journalisten streng kontrolliert und derzeit einen landesweiten Internetausfall verhängt hat. Bei Persuasion hatten wir das Glück, einen eindringlichen Essay eines anonymen Iraners zu veröffentlichen, der bereits zuvor für uns geschrieben hatte. Im Podcast konnte ich zudem ein ausführliches Gespräch mit Scott Anderson über die früheren und gegenwärtigen Revolutionen des Landes führen. Aber ist es wirklich zu viel verlangt, dass ein Redakteur einen Bericht über die Lage im Land verfasst – oder dass man einen Meinungsbeitrag eines im Exil lebenden Iraners über seine Hoffnungen für die Zukunft seines Landes einholt?
Dieses Schweigen ist alles andere als zufällig; es ist eine Entscheidung. Und auch wenn ich vermute, dass diese Entscheidung nicht vollständig bewusst getroffen wird und dass diejenigen, die sie treffen, sich die Logik dahinter nicht einmal selbst ganz klar gemacht haben, geht sie letztlich auf eine sehr einfache Rechnung zurück, die linke Intellektuelle seit den Tagen George Orwells verfolgt – wie kaum jemand anderes es so treffend beschrieben hat.
Für viel zu viele Progressive und Linke besteht ihr grundlegendes Bekenntnis nicht in einem Prinzip oder einer positiven Vorstellung davon, wie die Welt sein sollte. Es besteht vielmehr in der Überzeugung, dass die eigenen Länder und Gesellschaften die Wurzel eines tiefen Übels sind. Daraus entsteht eine einfache Dämonologie: Wer auf „unserer Seite“ steht, muss schlecht sein, und wer auf der „anderen Seite“ steht, ist zunächst einmal gut. Wie Orwell über einige Intellektuelle seiner Zeit schrieb, scheine ihr „eigentliches, wenn auch nicht eingestandenes Motiv der Hass auf die westliche Demokratie und die Bewunderung für den Totalitarismus zu sein“.
In der vergangenen Woche war es nicht schwer, besonders wirre Linke zu finden, die diese Logik bis zum bitteren Ende durchziehen: Menschen, die iranische Demonstranten als willenlose Agenten des Imperialismus diffamieren oder sich weigern anzuerkennen, dass Nicolás Maduro ein schrecklicher Diktator ist. Die meisten sind allerdings etwas subtiler. Sie feiern Khamenei oder Maduro nicht offen – aber sie bringen es auch nicht über sich, den Sturz der von ihnen errichteten Regime zu erhoffen.
Seit ich politisch bewusst denke, bin ich ein Mann der politischen Linken. Mit 132 Jahren trat ich in die deutsche Sozialdemokratie ein und glaube noch immer an viele der Ideale, die mich damals bewegten: an internationale Solidarität, an die Notwendigkeit eines großzügigen Sozialstaats, an das höchste Übel von Rassenhass, ethnischer Säuberung und Krieg. Ich würde mich nur allzu gern wieder als Teil einer Massenbewegung fühlen, die für diese Werte aus Prinzip eintritt. Doch mit einer politischen Linken, die nicht in der Lage ist, den mutigen Frauen und Männern, die derzeit in Teheran und vielen anderen iranischen Städten auf die Straße gehen, Unterstützung zu signalisieren, habe ich wenig gemeinsam.
Die einzige Ausnahme war Slate, wo die Suche nach dem Begriff „Iran“ zunächst einen Treffer ergab. Dieser führte allerdings lediglich zum „Slate Mini Kreuzworträtsel vom 9. Januar 2026“ – zusammengestellt von einer Person, deren Vorname zufällig Kiran lautet.
Meine neuen Genossen erleichterten mir den Beitritt, indem sie mich ermutigten, mein Geburtsdatum rückzudatieren – denn das Mindestalter für eine Mitgliedschaft lag bei 14 Jahren.
Dieser Text wurde mit Hilfe von KI übersetzt und von Niya Krasteva redigiert.

