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Avatar von Reto Brest

"Doch wenn Europa eine führende Rolle in der Welt spielen will – oder einfach nur für die eigenen Werte auf dem eigenen Kontinent einstehen –, muss es erkennen, dass dieses Modell nun am Ende angelangt ist."

Eine führende Rolle? Das ist nun vorbei. Europa hat im Lauf des letzten Jahrtausends mehr als genug Unheil angerichtet. Dieser Wurmfortsatz Asiens muss nun in die zweite Reihe rücken, aufhören, mit lauthals verkündeten, aber nicht gelebten Werten dem Rest der Welt ethische Vorschriften machen zu wollen. Die modernisierte Faschismusform, die sich in den usa gerade breit macht, hat ihre Väter in Europa, der Holocaust ist eine europäische Erfindung. Aber ist jemand, der stolz darauf ist, im Herausgeberrat der 'Zeit' Mitglied zu sein, einem Blatt, das vor grossbürgerlicher Verlogenheit nur so strotzt, das den führenden deutschen Bellizisten nur zu bereitwillig Spalte um Spalte einräumt, wohl bereit, sich mit den europäischen Lebenslügen zu konfrontieren? Der Hinweis auf die vermeintlich oder tatsächlich noch unmenschlicher geführten Staaten ist typisch - 'Europa ist allen Katastrophen, Gemetzeln, Völkermorden, Ökoziden zum Trotz doch immer noch besser als all die anderen', halt, nicht all die anderen, weite Teile der Welt kommen schon gar nicht in die Kränze, oder wie soll man das verstehen. Nicht Awakening ist nötig, sondern fundamentale Selbstkritik. Und übrigens - niemand bedroht Europa militärisch, die Behauptung des Gegenteils dient nur den Ewiggestrigen, in die alten Geleise zurückzufinden, wieder wer zu werden. Dafür ist man auch bereit, einen nuklaer geführten Krieg zu riskieren.

Gruss Reto

Avatar von Zoltan Lukac

Yascha, ich folge deinen Posts und deinem Podcast seit Jahren mit Interesse. Gerade deshalb wirkt dieses Narrativ zunehmend ermüdet.

„Wach auf, Europa“ – seit spätestens 2016.

„Deutschland/Europa kann sich nicht mehr auf die USA verlassen“ – ebenfalls seit 2016.

„Die NATO könnte zerbrechen“ – kein neuer Gedanke, sondern ein alter Bekannter.

Interessant wurde es dort, wo du von mangelndem Ehrgeiz und fehlender Vorstellungskraft sprichst.

Aber dann kehrst du doch wieder zum Altvertrauten zurück: Europa als schlafender, musealer Kontinent, der endlich „aufwachen“ müsse.

Was, wenn die unbequemere Wahrheit eine andere ist?

Nicht fehlende Analyse, nicht mangelnde Warnungen – sondern eine Gesellschaft, die sich zu sehr an Komfort, Stabilität und moralische Selbstgewissheit gewöhnt hat, um den Preis echter Selbstverantwortung zahlen zu wollen.

Vielleicht wäre es an der Zeit, weniger abstrakte Akteure („Europa“, „der Staat“) zu adressieren – und stattdessen den eigenen Milieus, Lesern und Hörern den Spiegel vorzuhalten.

Oder ist genau das der Punkt, an dem Meinungsführung riskant wird?

Mit freundlichen Grüßen

Zoltan Lukac